Trauer, Krisen und Zweifel ...
... sind belastend genug. Darüber zu sprechen fällt vielen Menschen zusätzlich schwer. Sorgentelefone bieten die Möglichkeit, anonym, unverbindlich und kostenlos mit einer geschulten, häufig ehrenamtlich tätigen Person zu sprechen.
Was hat das Thema mit dem RU zu tun? Eine Studie untersucht zu diesem Thema mit welchen Anliegen sich Menschen an die TelefonSeelsorge wenden und welche Bewältigungsstrategien dabei sichtbar werden.
Beobachtungen
Die Autor:innen stellen fest, dass der Bedarf an spezifischer Beratung immer mehr ansteige. Auffällig sei, dass die zunehmende Individualisierung zwar mehr Gestaltungsmöglichkeiten für die einzelnen Menschen eröffne, es allerdings auch dazu führe, dass Menschen Unsicherheiten, Überforderung und innere Widersprüche zunehmend allein bewältigen müssen. Auch nehmen Belastungen wie Einsamkeit, soziale Isolation und das Gefühl von Überforderung durch das Fehlen von stabilen sozialen Strukturen deutlich zu. (Hoff/Rohleder 2019, S. 356f.)
Telefonische Seelsorge ...
... böte vor allem eine niedrigschwellige Möglichkeit, überhaupt in Beziehung zu treten und sich in der eigenen Existenz wahrgenommen zu fühlen. Dabei gehe es nicht im Vordergrund um die konkrete Problemlösung, sondern vor allem um emotionale Entlastung und Anerkennung der Belastung. Anonymität, ständige Erreichbarkeit und unbegrenzte Zuständigkeit begünstigen laut den Autor:innen, dass Menschen ihre Hoffnungen auf Trost und Unterstützung gezielt auf dieses Angebot der Seelsorge richten. (Hoff/Rohleder 2019, S.360f.)
Beispiel TelefonSeelsorge®
Die größte deutschlandweite Organisation ist die TelefonSeelsorge® Deutschland: "Wir, die TelefonSeelsorge® Deutschland, bieten allen Menschen Unterstützung an, die einsam sind oder trauern, in einer Lebenskrise stecken oder von Suizidgedanken gequält werden."
"Sie erreichen uns möglichst unkompliziert telefonisch, per Mail oder Chat und in über 20 Städten auch persönlich. Immer ist unsere Beratung anonym und kostenfrei. Unsere Arbeit wird von den christlichen Kirchen in Deutschland getragen. Sie ist Ausdruck der seelsorglichen Verantwortung der evangelischen und katholischen Kirche."
"Wir wollen Menschen eine Entlastungsmöglichkeit bieten, wenn das Leben für sie schwierig wird. Unsere Motivation dafür kommt aus dem christlichen Gebot der Nächstenliebe und dem humanen Anspruch der Solidarität mit unseren Mitmenschen.”
“Deshalb stehen wir zur Verfügung: mit unseren offenen Ohren und Herzen und mit einer vorurteilsfreien, empathischen und zugewandten Haltung."
Dieses Thema eignet sich auch für den RU, da es zentrale Fragen menschlicher Existenz mit konkreter kirchlicher Praxis verbindet. (Telefonseelsorge®)
Im RU
Schülerinnen und Schüler begegnen hier einem lebensnahen Beispiel dafür, wie christlicher Glaube in Krisensituationen wirksam werden kann. Deutlich wird es zum einen in dem Zitat der TelefonSeelsorge®:" Unsere Motivation dafür kommt aus dem christlichen Gebot der Nächstenliebe und dem humanen Anspruch der Solidarität mit unseren Mitmenschen." Zum anderen haben die Autor:innen der Studie festgestellt, dass das Theologische in dem Gespräch kaum direkt thematisiert wurde, die grundlegende Bedeutung von christlicher Seelsorge im kollektiven Unterbewusstsein eine Rolle spiele. (Telefonseelsorge®)
Anknüpfung im RU
Christliche Ethik: Die Arbeit der TelefonSeelsorge macht deutlich, wie das christliche Gebot der Nächstenliebe praktisch umgesetzt wird. Seelsorge wird hier nicht theoretisch, sondern als gelebte Solidarität erfahrbar.
Kirche als Institution: Viele Jugendliche nehmen Kirche vor allem als Institution wahr. Die TelefonSeelsorge® zeigt eine andere Seite: Kirche als Ort von Begleitung, Trost und Unterstützung.
Buchtipp
Das Café der Unsichtbaren von Judith Kuckart erzählt von sieben Menschen, die sich in der Ausbildung für ein Sorgentelefon engagieren und erfahren, wie Zuhören Trost spendet und Lebensgeschichten neuen Sinn geben kann.
Es eignet sich für den RU, weil es zentrale Themen wie Nächstenliebe, Seelsorge, Einsamkeit und die Würde jedes Menschen anschaulich und lebensnah behandelt.
Die theologische Dimension wird dabei nicht ausdrücklich in den Vordergrund gestellt, sondern zeigt sich indirekt im konkreten Handeln – und macht so deutlich, wie sich christliche Bezüge im Alltag zeigen.
Quellen:
Hoff, Walburga/Rohleder, Christiane: TelefonSeelsorge als Beratungsangebot in einer pluralisierten Gesellschaft, in: Pastoraltheologie 108,9 (2019), S. 338-364. URL: https://kidoks.bsz-bw.de/frontdoor/deliver/index/docId/5241/file/Hoff_et-al_Telefonseelsorge.pdf.
TelefonSeelsorge®. URL: https://www.telefonseelsorge.de/ueber-uns/.