Römische und jüdische Quellen
Macht man sich auf die Suche nach außerbiblischen Quellen zu Jesus trifft man sowohl auf römische und jüdische Quellen, die Jesus oder Christ:innen thematisieren. Macht das einen Unterschied? Ja, und den schauen wir uns gemeinsam an!
Quelle I: Flavius Josephus
Der jüdisch-römische Geschichtsschreiber Flavius Josephus († um 100) erwähnt Jesus in seinem Werk Antiquitates Iudaicae (93/94 n. Chr.): "Um diese Zeit lebte Jesus, ein weiser Mann, wenn man ihn überhaupt einen Menschen nennen darf. Er vollbrachte nämlich ganz unglaubliche Taten und war der Lehrer aller Menschen, die mit Lust die Wahrheit aufnahmen. So zog er viele Juden und auch viele Heiden an sich. Dieser war der Christus. Und obgleich ihn Pilatus auf Betreiben der Vornehmsten unseres Volkes zum Kreuzestod verurteilte, wurden doch seine früheren Anhänger ihm nicht untreu. Denn er erschien ihnen am dritten Tage wieder lebend, wie gottgesandte Propheten dies und tausend andere wunderbare Dinge von ihm vorhergesagt hatten. Und bis auf den heutigen Tag besteht das Volk der Christen, die sich nach ihm nennen, fort." (Antiquitates Iudaicae, Buch XVIII.)
Quelle: https://katholisch.de/artikel/17738-lebte-jesus-wirklich-oder-behauptet-das-nur-die-bibel
Flavius Josephus bezeichnet Jesus in diesem Quellenausschnitt als Christus und nicht einfach nur als den Menschen Jesus. Warum blieb er dann Jude und trat nicht zum Christentum über? Die Antwort ist einfach: Passagen, die christliche Färbungen aufweisen wurden nachträglich von christlichen Bearbeitern hinzugefügt. Wissen wir also gar nicht mehr darüber, wie ein römisch-jüdischer Geschichtsschreiber Jesus gesehen hat? Schauen wir in eine zweite Notiz von Flavius Josephus!
Als er über die Hinrichtung Jakobus’ berichtet, erwähnt er auch Jesus: "Er versammelte daher den Hohen Rat zum Gericht und stellte vor diesen den Bruder des Jesus, der Christus genannt wird, mit Namen Jakobus, sowie noch einige andere, die er der Gesetzesübertretung anklagte und zur Steinigung führen ließ" (Antiquitates Iudaicae, Buch XX.)
Diese Notiz wird in der Forschung als authentisch eingestuft und auch wenn der Geschichtsschreiber Jesus selbst nicht sagt, dass Jesus Christus ist, erwähnt er, dass er Christus genannt wird. Die Quelle erwähnt also nur die Existenz bzw. Bekanntheit Jesu und beschreibt ihn weder positiv noch negativ.
Quelle: https://katholisch.de/artikel/17738-lebte-jesus-wirklich-oder-behauptet-das-nur-die-bibel
Quelle II: Sueton
Sueton († nach 122) war Kaiserbiograph und schrieb nicht explizit über Jesus, aber über die Christ:innen. Er schrieb folgendes über ein Edikt des Kaisers Claudius aus dem Jahr 49: "Die Juden, welche, von einem gewissen Chrestos aufgehetzt, fortwährend Unruhe stifteten, vertrieb er aus Rom." (De vita Caesarum) Sueton trifft also keine aussagekräftigen Aussagen über Jesus, wohl aber über eine mögliche frühchristliche Gemeinde aus Rom.
Quelle: https://katholisch.de/artikel/17738-lebte-jesus-wirklich-oder-behauptet-das-nur-die-bibel
Quelle III: Tacitus
Der römische Historiker und Senator Tacitus († um 120) schreibt expliziter über Jesus, als er vom Brand Roms während der Regenschaft Neros im Jahr 64 berichtet. "Um das Gerücht aus der Welt zu schaffen, schob er die Schuld auf andere und verhängte die ausgesuchtesten Strafen über die wegen ihrer Verbrechen Verhassten, die das Volk 'Chrestianer' nannte. Der Urheber dieses Namens ist Christus, der unter der Regierung des Tiberius vom Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden war. Für den Augenblick war der verderbliche Aberglaube unterdrückt worden, trat aber später wieder hervor und verbreitete sich nicht nur in Judäa, wo das Übel aufgekommen war, sondern auch in Rom..." (Annales, 116/17 n. Chr.)
Quelle: https://katholisch.de/artikel/17738-lebte-jesus-wirklich-oder-behauptet-das-nur-die-bibel
Tacitus erwähnt Jesus beiläufig, als Urheber der ‘Chrestianer’, also der Christ:innen. Mit der Nennung der Kreuzigung, die er als Hinrichtung bezeichnet, trifft er allerdings eine explizite Aussage zu Jesus selbst. Als römische Quelle stellt er die Christ:innen allerdings als Verbrecher dar und die fehlende weitere Ausführung zu Jesu Kreuzigung lässt vermuten, dass er ihn als Ursprung der verbrecherischen Christ:innen in Rom betrachtet und er auch ein Verbrecher war. Somit zeichnet Tacitus sowohl von den Christ:innen als auch von Jesus ein negatives Bild. Man darf dabei aber nicht außer Acht lassen, dass es sich um eine römische Quelle handelt, die von Interessen geprägt ist.
Wissen wir jetzt mehr über Jesus von Nazareth?
Ja und nein. Die Antwort ist nicht eindeutig.
Denn wie im letzten Post angesprochen, spiegeln Quellen nicht die tatsächliche Zeitgeschichte wider. Sie machen lediglich eine Rekonstruktion und Annäherung an die Vergangenheit und Personen der Vergangenheit möglich. Eine Quellenbeschreibung und -untersuchung bringt uns aber näher an die Wahrnehmung Jesu durch andere. In antiker Geschichtsschreibung und Biografien kommen außerdem fiktionale Elemente hinzu. Dies ist ein weiterer Fallstrick bezüglich der "historischen" Glaubwürdigkeit der Quellen.