Mein Freund Jesus …
Beliebte Bilder – besonders im Religionsunterricht – helfen, sich Jesus zu nähern. Solche Metaphern erleichtern vor allem jungen Menschen den Zugang zu seiner Person. Durch soziale Medien zeigt sich zudem, dass auch Ältere Jesus zunehmend aus einem historischen und menschlichen Verständnis heraus begreifen. Vorteil: Diese Bilder sind anschlussfähig und lebensnah. Doch was geht dabei möglicherweise verloren?
Jesus – Freund, Lehrer, Gottessohn?
Beliebte Bilder von Jesus (z. B. als 'Freund') helfen uns, ihn greifbar zu machen. Warum dürfen wir ihn aber nicht auf ein Bild reduzieren? Sie zeigen oft nur eine Seite – und lassen die tiefe Dimension des 'Christus' außer Acht. Die Christologie als Lehre von Jesus Christus entfaltet dieses Bekenntnis – von den Anfängen im Neuen Testament durch die verschiedenen Epochen hindurch bis in die Gegenwart. Sie legt es für Menschen in unterschiedlichen Kontexten, Kulturen und Altersstufen aus.
Vgl. hierzu die-bibel.de – wirelex: Christus/Christologie
historisch betrachtet
Früher glaubte man, durch historische Forschung zu Glaubenswahrheiten gelangen zu können. Heute ist klar: Glaube lässt sich nicht in historischen Fakten erschöpfen. Doch die historische Forschung bleibt unverzichtbar. Sie hilft, durch die Kontextualisierung der Texte Glaubensinhalte besser zu verstehen.
Vgl. dazu das Herderkorrespondenz Spezial Heft mit dem Titel: “Jesus gegen Christus” (2025). S.4ff.
jüdisch betrachtet
Die Vorstellung man könne auf eine Art originalen Jesus kommen verkennt wichtige Aspekte, die durch die Erschließung notwendig sind:
- der “jüdisch geprägte Glaubenshorizont”, in dem die Texte entstanden sind
- “die Gesetze der Traditionsbildung, die in mündlichen Kulturen und der jüdischen Gedächtniskultur gelten"
Das Neue Testament steht im lebendigen Kontext des Judentums. Die Texte sind „eine Art messianischer oder christologischer Kommentar zu dem, was wir Altes Testament nennen.“ Ohne diese Bezüge sind die neutestamentlichen Schriften kaum verständlich.
Vgl. dazu das Herderkorrespondenz Spezial Heft mit dem Titel: “Jesus gegen Christus” (2025). S.4ff.
Christologien
Das Neue Testament ist geprägt von vielfältigen messianischen Vorstellungen. Jesus lässt sich nicht idealisieren, sondern muss aus der lebendigen Hoffnungstradition Israels heraus verstanden werden. Die Christusnachfolgenden beziehen sich auf diese Traditionen, um ihre Erfahrungen mit Jesus zu deuten. Dadurch entsteht nicht die eine Christologie, sondern ganz plurale!
Vgl. dazu das Herderkorrespondenz Spezial Heft mit dem Titel: “Jesus gegen Christus” (2025). S.4ff.
Der Kern
In der Person Jesu verdichten sich all diese Vorstellungen. Entscheidend sei dabei nicht primär Jesus selbst, sondern was Gott in und durch ihn für die Welt gewirkt hat, wie Ehrensperger betont: „Der Akteur in allen christologischen Vorstellungen ist letztlich Gott.“ Die spätere Vereinheitlichung der Christologie erfolgte erst in den Konzilien.
Vgl. dazu das Herderkorrespondenz Spezial Heft mit dem Titel: “Jesus gegen Christus” (2025). S.4ff.
Was hat das mit mir zu tun?
Die Vielfalt der Christologien zeigt uns: Jesus ist mehr als ein einzelnes Bild oder eine vereinfachte Vorstellung. Er ist der jüdisch geprägte Messias, der in einer lebendigen Tradition steht, und gleichzeitig der Christus, in dem Gott für die Welt wirkt. Jesus als eine Art Mittler und Zugang zu Gott zeigt sich besonders in der Vielfalt der Christologien. Das neue Testament mit seinen alttestamentarischen Bezügen bietet durch die pluralen Christusvorstellungen plurale Anschlussmöglichkeiten – so vielfältig, wie wir Menschen selbst sind.
Impuls für dich
Lese folgende Bibelstellen. Frage dich anschließend: Kolosser 1,15-17 & Philipper 2,5-8. Wer ist Jesus für mich? Was bedeutet das für meine Beziehung zu Gott? Tipp: Lass dir von der Nikodemus.AI von Bibleserver noch mehr Bibelstellen vorschlagen!