Die vierte Medienrevolution
Medien erfahren immer wieder eine Revolution. Pirker attestiert, dass wir uns “mitten in der vierten Medienrevolution” befinden - in der Digitalität. Wir begegnen Jesus nicht mehr nur in Bildern und Büchern, sondern auch in den Sozialen Medien, in der Künstlichen Intelligenz oder mithilfe von Apps.
Quelle: Pirker: Die Jesus-Referenz. Beobachtungen aus der Netzkultur der Gegenwart, in: HK Spezial 1 (2025), S. 17.
Wie begegnet uns Jesus im Netz?
Jesus begegnet uns in vielfältigen Formen, z. B. im missionarischem Kontext durch charismatische und freikirchliche Bewegungen. Es zeigen sich dabei eine gewisse Oberflächlichkeit, “Kitsch und spirituelle Innigkeit”. Man findet Live-Streams zu Dämonenaustreibungen, Gebete, Filter, in denen Jesus die Arme um einen legt, einen KI-Jesus und sogar eine App namens “Text with Jesus”, die einen mit Jesus schreiben lässt. Und Jesus ist der treue Begleiter vieler Influencer:innen, die über ihn sprechen und somit im Netz präsent machen.
Quelle: Pirker: Die Jesus-Referenz. Beobachtungen aus der Netzkultur der Gegenwart, in: HK Spezial 1 (2025), S. 17.
Der “Jesus-Glow”?
Viele Christ:innen teilen Videos, in denen sie ihren "Jesus-Glow" zeigen. Sie zeigen, wie sie vor ihrer Begegnung mit Jesus aussahen - oft müde, traurig und mit fahler Haut. Dann finden sie zu Jesus. Ihr inneres Strahlen, dass sie dadurch erhalten, zeigt sich auch im Äußeren - sie sind glücklich und strahlen. Doch wie bekommt man den "Jesus-Glow"?
Quelle: Pirker: Die Jesus-Referenz. Beobachtungen aus der Netzkultur der Gegenwart, in: HK Spezial 1 (2025), S. 18.
How to “Jesus-Glow”
Wie man den "Jesus-Glow" bekommt, erklärt die Influencerin Natalie Mae in einem Tutorial. Dazu benötigt man drei Schritte.
Schritt 1: Eine gute seelische Gesundheit bzw. Glaube
Man "schreibt sich alles von der Seele", dokumentiert, wie man sich fühlt und lässt diese Gefühle zu. Anschließend notiert man sich, wie man sein möchte. Wichtig: Im Anschluss beichtet man im Beichtstuhl oder im persönlichen Gebet.
Schritt 2: Die Psyche
Der eigene Zustand hängt vom richtigen Mindset ab und um das zu haben, muss man sich selbst vergeben und lieben. Die zentrale Quelle ist die Bibel, allerdings werden auch YouTuber empfohlen.
Schritt 3: Das Äußere
Darunter fallen drei Punkte: Sport machen, denn der "Körper ist der Tempel Gottes", Zeit mit sich selbst und Zeit in der Natur verbringen.
Wenn man diese Punkte befolgt, bekommt man den "Jesus-Glow". Aber was steckt dahinter?
Quelle: Pirker: Die Jesus-Referenz. Beobachtungen aus der Netzkultur der Gegenwart, in: HK Spezial 1 (2025), S. 18.2
Sorge um sich
Man kann die Ausführungen Natalie Maes als "moderne Form geistlicher Übung" verstehen, in der viele bekannte und traditionelle Aspekte der Selbstfürsorge Einzug gefunden haben, z. B. "Umkehr, Beichte [und die] Sorge um Seele und Körper." Der "Jesus-Glow ist […] die Tiktok-Version einer christlichen Tugendethik, die sich ganz am Wollen, nicht am Sollen orientiert."
Quelle: Pirker: Die Jesus-Referenz. Beobachtungen aus der Netzkultur der Gegenwart, in: HK Spezial 1 (2025), S. 18.
Und was hat das mit mir zu tun?
Jesus begegnet uns in den unterschiedlichsten Medien, denn “[w]ie jede Religion kohabitiert das Christentum nicht nur mit Kultur, sondern ist selbst durch und durch Kultur”. (Knut Wenzel: Die Wucht des Undarstellbaren. Bildkulturen des Christentums, Freiburg 2019, S. 349.)
Das Christentum steht also nicht außerhalb der Kultur und Gesellschaft, sondern prägt sie und wird gleichzeitig von ihr geprägt. Die Darstellung Jesu oder auch des Christentums verlagert sich deshalb in digitale Ausdrucksformen. (Quelle: Pirker: Die Jesus-Referenz. Beobachtungen aus der Netzkultur der Gegenwart, in: HK Spezial 1 (2025), S. 19.)
Deshalb gilt es religiöse Inhalte, auch als Social Media-Post, -Live-Stream oder KI zu hinterfragen, kritisch zu reflektieren und zu erkennen, wie diese das Bild von Jesus prägen können. Dabei geht es sowohl um Chancen, als auch um Herausforderungen, z. B. durch Vereinfachungen oder kritische Aussagen.