Pascal Schelbli, Animationsfilm, Deutschland, 2019, 5 Minuten, ab Jahrgangsstufe 4
Die Fische treiben elegant im Wasser, die Muräne rekelt sich majestätisch in den zerklüfteten Unterwasserfelsen und die Seeanemonen werden von der Strömung hin- und hergetrieben, ein Quallenschwarm zieht vorbei und ein Schwertwal taucht in die Tiefe des Meeres hinab. Eine faszinierende Unterwasserwelt.
Doch ein genauer Blick auf diese „Schönheit“ zeigt, dass ein Fischschwarm nicht zwangsläufig aus Fischen bestehen muss. Der vermeintliche Fischschwarm setzt sich aus im Wasser treibenden Flip-Flop-Sandalen zusammen, der Quallenschwarm besteht aus dünnen Zellophantüten, der Wal ist eine Einwegflasche…
The Beauty manipuliert die Zuschauer*innen im besten Sinne. Der Film entführt sie in die Fiktion einer faszinierenden Unterwasserwelt und lenkt ihre Emotionen beim Hören und Sehen so in eine falsche Richtung. Damit eine Fiktion als Realität erscheint, nutzt der Film die technischen Möglichkeiten des Animationsfilms. Die Täuschung wird verstärkt durch Meeresrauschen, meditative Sphärenklänge und durch die sonore Stimme eines Rezitators. Dadurch gelingt es Pascal Schelbli umso besser, die Rezipienten drastisch mit dem Eigenleben unserer Wegwerfprodukte und unseres Verpackungsmülls zu konfrontieren.
Denn erst als sich die Kamera langsam an die Wasseroberfläche bewegt, verwandelt sich dieses Paradies und gibt den Blick frei auf eine schwimmende Insel aus Plastikmüll im Ozean. Manche/r Zuschauer*in wird wohl erst beim zweiten Blick auf dieses Szenario entdecken, woraus sich der vermeintliche Fischschwarm und der Quallenschwarm zusammensetzen. Dass die Unterwasserpflanzen aus Trinkhalmen und Plastikbesteck bestehen, dass der Kugelfisch seinen Körper aus Luftpolsterfolie aufbläht, die Muräne das Profil eines Autoreifens zeigt und dass der Schwertwal nichts anderes ist als eine PET-Einwegflasche mit Flossen.
So führt der Kurzfilm vor Augen, dass in der Realität in unseren Ozeanen riesige Inseln aus mehreren Millionen Tonnen Plastikmüll schwimmen, deren Größe sich Jahr um Jahr steigert. Das ist unbrauchbarer und nur sehr langsam verrottender Abfall, der Wasser, Pflanzen, Tiere, Menschen und vor allem auch das Klima bedroht.
Dieser mehrfach ausgezeichnete Kurzfilm kann eine Betroffenheit beim Zuschauer*in auslösen, die vermutlich kein Dokumentarfilm zu diesem Thema wird erzeugen können. In einem Lernarrangement zum Thema Schöpfung kann er eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Plastikmüll initiieren und zugleich einen motivierenden Impuls zu einem bewussten Umgang mit den Abfallprodukten der Wegwerfgesellschaft setzen. Abhängig von der Lerngruppe und durch Hinzunahme von altersgerechten Sachinformationen kann der Film bereits in der Primarstufe erarbeitet werden. Vor allem aber in Unterrichtsreihen der Sekundarstufen wird The Beauty seinen Platz finden. Eine Vertiefung des Themas „Verantwortung für die Schöpfung“ kann in höheren Klassen gut durch eine Erörterung der besonderen Wirkung eines Animationsfilms zu diesem Thema ermöglicht werden.
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