Klagefrauen in der Bibel

Was haben biblische Frauenbilder heute noch mit mir zu tun?

Frauen heute

Wahlrecht, Gleichberechtigung, Gender Pay Gap … In den letzten Jahrzehnten hat sich viel verändert – und gleichzeitig erstaunlich wenig. Zwischen Social Media, Erwartungen und der Frage, wie man es „richtig macht“, wird schnell klar: Die Frage nach Rollenbildern ist noch lange nicht geklärt. Was hat das mit der Bibel zu tun?

 

 

 

Die Klagefrauen

In dem Post zum Trauern im Alten Testament war bereits die Rede von Frauen, die das Trauern und den Prozess des Abschiednehmens professionell begleitet haben. Unterschiedliche Bibelübersetzungen weisen darauf hin, dass diese Frauen als weise und sehr kompetent auf dem Gebiet gesehen wurden. Hier ein Auszug aus Jeremia 9,16:

"Ich, der HERR, der allmächtige Gott, fordere euch auf: Begreift doch endlich, wie schlimm es um euch steht! Holt die Klageweiber, ja, lasst die weisen Frauen kommen!«" (HFA)

"Darum sage ich, der Herrscher der Welt: ›Begreift, was die Stunde geschlagen hat: Ruft die Klagefrauen! Holt die Frauen herbei, die sich aufs Weinen und Klagen verstehen!‹«" (GNB)

Es zeigt sich auch: Trauer war nicht privat – sondern wurde bewusst gestaltet.

 

Und was ist mit Klagemännern?

Die Evidenz für Klagemänner scheint sehr gering zu sein. (Schart 2024) Der Theologe Aaron Schart schreibt hierzu: "Es scheint sich kulturübergreifend bewährt zu haben, dass Klagefrauen ohne direktes Mitwirken von Männern ihre Aufgabe besser ausführen können." (Schart 2024)

Weiter schreibt er: "Die Mitwirkung im Klageprozess setzt Sensibilität und Mitgefühl für das seelische Leid der Betroffenen voraus. Auch dürfte sich die Stimme der Frau besser dafür eignen, mit schrillen Tönen das Leid auszudrücken." (Schart 2024)

Aber ist das wirklich eine Erklärung? Oder zeigt sich hier schon ein Problem: Werden Emotionen an Geschlechter gebunden – statt an den einzelnen Menschen?

 

Und was hat das mit mir zu tun?

Häufig begegnet uns noch immer dieses Bild: Frauen gelten als „emotional“, Männer als „stark“. Doch Gefühle sind nichts Geschlechtsspezifisches – sie gehören zum Menschsein. Problematisch wird es, wenn Emotionalität Frauen zugeschrieben wird und sie gleichzeitig dafür verurteilt werden:

  • Emotionen gelten als „unprofessionell“ oder „zu viel“
  • Kompetenzen werden schneller infrage gestellt
  • Belastungen wie Mental Load bleiben oft unsichtbar

Welche Rolle kann hier die Bibel für mich spielen?

Spannend ist der Blick in die Bibel: Die Klagefrauen zeigen ein anderes Verständnis. Ihre Fähigkeit, mit Gefühlen umzugehen, wird nicht kritisiert, sondern als Weisheit und Kompetenz anerkannt. Emotionen ausdrücken zu können ist hier keine Schwäche – sondern eine Stärke. Und heute? Die Frage nach Rollenbildern ist nicht neu. Biblische Texte machen sichtbar, wie tief solche Zuschreibungen verwurzelt sind – und laden dazu ein, sie zu hinterfragen und neu zu denken.

 

Quellen:
Schart, Aaron: Klagefrauen, in: WiBiLex (2024). URL: https://bibelwissenschaft.de/stichwort/23628/.