Und nach dem Tod...?

Kommt was nach dem Tod?

Wenn man mit dem Tod konfrontiert wird, passiert es nicht selten, dass sich die Frage aufdrängt: Kommt eigentlich irgendwas danach? Und was kommt eigentlich danach?

Für viele Menschen ist der Tod das Ende des Lebens: da kommt nichts mehr. Für andere Menschen drängt sich der Gedanke auf, dass es mit dem Tod einfach so zu Ende sein kann. Doch wie geht es weiter?

 

 

Weiter oder Wieder?

Eine mögliche Vorstellung ist, dass die Person oder ihre Seele auf die eine oder andere Weise in dieser Welt weiterlebt: entweder durch Wiedergeburt oder durch das vollständige Aufgehen in die Welt/Natur. Die andere Möglichkeit ist die Vorstellung, dass die Seele nach dem Tod in einen anderen, von dieser Welt (Diesseits) verschiedenen, aber als real gedachten Existenzbereich übergeht: das Jenseits. (Erdmann 2017, S. 29.)

 

Nach dem Tod: das Jenseits

Wenn wir an die Jenseitsvorstellungen im Christentum denken, dann fallen uns schnell Begriffe wie Himmel und Hölle, Fegefeuer und die Auferstehung der Toten ein. 

Auch Jugendliche nennen auf die Frage, was nach dem Tod kommt, den Himmel als einen besseren Ort, als Paradies. Außerdem sprechen sie von einem Gericht, einer irgendwie gearteten Aufteilung der Verstorbenen in Gut und Böse und dem Weiterleben der Seele, auch in Form einer Wiedergeburt, in dieser Welt. (Erdmann 2017, S. 94)

 

Der Tod: das Ende

Auch die Überzeugung, dass nach dem Tod gar nichts mehr kommt und damit das Leben mit dem Tod endgültig endet, ist eine weit verbreitete Vorstellung. Laut einer Studie des Deutschen Hospiz- und Palliativ-Verbands aus dem Jahr 2022 glauben über die Hälfte der Befragten (55%) nicht an ein Leben nach dem Tod. (Forschungsgruppe Wahlen Telefonfeld GmbH 2022)

So unterschiedlich die Vorstellung darüber sind, ob und was nach dem Tod kommt, so vielfältig können auch die Bedeutungen dieser Vorstellung sein. Wozu stellen wir uns überhaupt die Frage nach dem Jenseits?

 

Trost oder doch Tröstung?

Immer wieder besteht die Gefahr, dass die Antwort auf die Frage nach dem "Danach" als Ablenkung von den konkreten und realen Problemen im Hier und Jetzt benutzt wird: die sogenannte Jenseitsvertröstung. Überspringen wir, wenn wir uns mit dem Jenseits beschäftigen, nicht vielleicht zu schnell die realen Fragen des Diesseits und die existentielle Frage nach dem Tod? Und worauf hoffen Christ:innen im Jenseits?

 

Die christliche Hoffnungsperspektive

Die christlichen Jenseitsvorstellungen sind Bilder für das konkrete Hoffen von Menschen:

  • die Hoffnung auf Gerechtigkeit,
  • die Hoffnung auf Friede,
  • die Hoffnung auf Barmherzigkeit und Vergebung und
  • die Hoffnung, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.

 

Das Jenseits als Kraft des Diesseits

Jenseitsvorstellungen bieten nicht nur die Gefahr, zu vertrösten. Sie können uns uns Menschen auch daran erinnern, dass es möglich ist, dass die Ungerechtigkeiten, das Leiden und der Tod nicht das letzte Wort haben.Auf diese Weise können Jenseitsvorstellungen in all ihrer Unterschiedlichkeit den Menschen die Kraft geben, die sie in dieser Welt brauchen, ganz besonders im Umgang mit dem Tod: "Das Jenseits ist die Kraft des Diesseits." (Troeltsch 1912, S. 1864.)

 

Quellen:
Erdmann, Peter: Jugend und Jenseits, Münster 2017.
Forschungsgruppe Wahlen Telefonfeld GmbH: Sterben in Deutschland – Wissen und Einstellungen zum Sterben. Repräsentative Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen Telefonfeld GmbH im Auftrag des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands e. V.,  Mannheim 2022. URL: https://www.dhpv.de/files/public/Presse/2022_BevBefragung_2022_Ergebnisse_lang.pdf.
Troeltsch, Ernst: Die Soziallehren der christlichen Kirchen und Gruppen, in: Troeltsch, Ernst: Kritische Gesamtausgabe, Bd 9.1, hrsg. v. Friedrich Wilhelm Graf, Gütersloh 1912.