Christliche Fastenzeit in der Schule gestalten
Die christliche Fastenzeit bietet nicht nur im privaten Umfeld, sondern auch in der Schule vielfältige Möglichkeiten für eine besondere Gestaltung. Dabei stehen selbstverständlich die Schüler:innen im Mittelpunkt – gleichzeitig können aber auch die Eltern als wichtige Begleiter ihrer Kinder eingebunden werden. Ob durch gemeinsame Aktionen, Informationsangebote oder kleine Aufgaben für zu Hause: Wenn Schule und Elternhaus die Fastenzeit gemeinsam gestalten, entsteht ein wertvoller Raum für Austausch, Achtsamkeit und gemeinsames Lernen.
Sedermahl für Eltern
Was feiern wir eigentlich in unserer Messe, im Abendmahlsgedenken am Gründonnerstag und in unserer Osterliturgie? Es gibt ein jüdisches Vorbild, das “Sedermahl”, das auch heute noch am Vorabend des Passah-Rüsttages gefeiert wird. Jesus und seine Freunde haben genau dieses Mahl am Abend vor seiner Kreuzigung begangen. Um einen neuen, klareren und vielleicht auch geselligeren Zugang zum Abendmahlsgeschehen zu gewinnen, treffen sich Schuleltern des Mariengymnasiums an einem Abend in der Karwoche und spüren dem ritualisierten Mahlsgeschehen, in vereinfachter Form, nach.
Das Sedermahl feiern jüdische Familien am Abend vor dem letzten Tag vor Pesach, um sich auf die Vorbereitungen für das Fest einzustimmen. Dabei folgt die Zeremonie einer traditionellen Abfolge aus Texten und Liedern, während ab dem Beginn des Sabbats keine Arbeit mehr erlaubt ist. Auch Jesus hat dieses Mahl begangen. Neben u.a. ungesäuerten Brotfladen, den Mazzen, spielen Bitterkräuter (bei uns Petersilie und Feldsalat) und insbesondere ein Lammbraten eine wichtige Rolle. Ein Fruchtmus (genannt Charoseth, wir nahmen Hummus) und ein dekorativer, ausgelöster Lammknochen mussten ebenfalls besorgt werden. Bei der Planung zu beachten: Es orientiert sich am jüdischen Ritus, macht uns dabei aber nicht zu Jüdi:innen. Der Respekt gegenüber unseren älteren Geschwistern im Glauben steht im Mittelpunkt, ohne dass wir alle Ritualvorschriften minutiös beachten müssen. Notfalls ist Improvisation und Kreativität gefordert.
Bibelteilen für Eltern
Miteinander ins Gespräch kommen, gesellig sich mitteilen und einen netten Abend verbringen einerseits und sich mit biblischen Texten beschäftigen, beten und erspüren, was Gott mir vielleicht gerade jetzt sagen möchte... klingt nach einem Gegensatz, muss es aber nicht sein! Zunächst gibt es angeleitet vom Schulseelsorger oder jemandem, der es übernehmen will, eine gute Dreiviertelstunde Bibelteilen nach der 7-Schritte-Methode afrikanischer Basisgemeinden. Und danach der Ortswechsel zu einem Feierabendgetränk, wo der Austausch über das Leben direkt weiter geht.
Bibelteilen für Eltern - 7 Schritte
1. Einladen: Wir machen uns bewusst, dass Gott bei uns ist, insbesondere, wenn wir etwas in seinem Namen tun (Kreuzzeichen, Gebet).
2. Lesen: Der zuvor ausgewählte biblische Text (kurze Perikope, maximal 10 Verse würden wir empfehlen) wird reihum Satz für Satz gelesen. Bei kurzen Texten auch mehrmals.
3. Verweilen: Beim stillen Lesen sprechen alle die Stellen (Worte oder Satzteile) laut aus, die auffallen, bei denen die/der Leser:in stockt oder die besonders gefallen.
4. Schweigen: Wir lassen das Genannte und Gelesene in uns nachklingen.
5. Teilen: Alle sind eingeladen, eigene Gedanken zu dem Nachgeklungenen mitzuteilen und auch die Gedanken zu den selbst genannten Worten ggf. zu erklären.
6. Handeln: Was möchte Gott, dass wir tun sollen? Wo kommen wir (ich) in diesem Text vor? Was nehme ich aus dem Geteilten und dem Austausch für mich und mein Leben mit?
7. Beten: Alle, die möchten, können etwas dazu beitragen, einen Gedanken bewusst vor Gott tragen oder auch Fürbitte halten. Es geht nicht um wohlfeile Formulierung, sondern Bezug zum realen Leben und Alltag! Es geht nicht um Theologie und Exegese, sondern um die Menschen, die versammelt sind!
Der Autor
Gregor Lauenburger ist Schulseelsorger am Mariengymnasium in Essen-Werden, ausgebildeter Gemeindereferent, Mitglied der AG Berufungspastoral im Bistum Essen und Autor verschiedener Bücher wie „Alles Currywurst – oder was?“ und “Katholisch gewusst wie!”