Best Practice

Ramadan in der Schule - Wie begehen andere Schulen Iftar? (Zwei Hamburger Schulen berichten)

Organisation des Iftar - Wie wird’s gemacht?

“Das jährliche Ramadan- Fastenbrechen findet seit ganz vielen Jahren an fast allen Standorten der Stadtteilschule Am Hafen statt. Die Organisation läuft über Lehrkräfte oder Pädagogisches Personal und wird mit Hilfe der Schüler:innen verwirklicht.” (Stadtteilschule Am Hafen, Hamburg)

Iftar stärkt die Gemeinschaft!

“Die Schüler:innen und ihre Familien fühlen sich wertgeschätzt und freuen sich besonders, wenn Lehrkräfte auch dabei sind. Es ist immer wieder ein freudvolles und bedeutendes Zusammenkommen der Schulgemeinschaft.”  (Stadtteilschule Am Hafen, Hamburg)

“Besonders bereichernd war das Miteinander von Schüler:innen, ihren Familien, Pädagog:innen sowie Gästen. Insgesamt nahmen über 250 Mitglieder der Schulgemeinschaft am Iftar teil und füllten den Abend mit Gesprächen, Begegnungen und einer spürbar herzlichen Atmosphäre. Das gemeinsame Essen wurde so zu einem Symbol für Zusammenhalt, Toleranz und Wertschätzung.” (Grund- und Stadtteilschule Alter Teichweg, Hamburg)

Wie kann man einen Iftar-Abend gestalten?

“Den Auftakt bildeten inspirierende Redebeiträge, in denen Vertreter:innen unterschiedlicher Religionen den interreligiösen Trialog in den Mittelpunkt stellten. Die Beiträge regten zum Nachdenken an und unterstrichen, wie wichtig Offenheit, Zuhören und gegenseitiges Verständnis in einer vielfältigen Gesellschaft sind.” (Grund- und Stadtteilschule Alter Teichweg, Hamburg)

“Anschließend kamen alle Teilnehmenden beim gemeinsamen Fastenbrechen zusammen – unabhängig davon, ob sie selbst fasteten, einer Religion angehörten oder nicht.”  (Grund- und Stadtteilschule Alter Teichweg, Hamburg)

“Der Iftar hat erneut gezeigt, wie wertvoll gemeinsame Räume des Austauschs und der Begegnung sind.” (Grund- und Stadtteilschule Alter Teichweg, Hamburg)

Wie läuft das Begehen des Iftar ab?

“Das gemeinsame Essen beginnt mit einem Willkommensgruß und traditionell-religiösen Ritualen: dem Ezan/Adhan (Gebetsruf) als Hinweis, dass das Fastenbrechen stattfindet, weil die Sonne untergegangen ist und danach ein Bittgebet zum Fastenbrechen.

Anschließend bedienen sich alle am köstlichen Buffet und führen gesellige Tischgespräche. Der Abend wird abgerundet mit Tee und Kaffee.” (Stadtteilschule Am Hafen, Hamburg)

Christliche Fastenzeit in der Schule gemeinsam gestalten (Beispiele vom Marien-Gymnasium in Essen Werden)

Christliche Fastenzeit in der Schule gestalten

Die christliche Fastenzeit bietet nicht nur im privaten Umfeld, sondern auch in der Schule vielfältige Möglichkeiten für eine besondere Gestaltung. Dabei stehen selbstverständlich die Schüler:innen im Mittelpunkt – gleichzeitig können aber auch die Eltern als wichtige Begleiter ihrer Kinder eingebunden werden. Ob durch gemeinsame Aktionen, Informationsangebote oder kleine Aufgaben für zu Hause: Wenn Schule und Elternhaus die Fastenzeit gemeinsam gestalten, entsteht ein wertvoller Raum für Austausch, Achtsamkeit und gemeinsames Lernen.

Sedermahl für Eltern

Was feiern wir eigentlich in unserer Messe, im Abendmahlsgedenken am Gründonnerstag und in unserer Osterliturgie? Es gibt ein jüdisches Vorbild, das “Sedermahl”, das auch heute noch am Vorabend des Passah-Rüsttages gefeiert wird. Jesus und seine Freunde haben genau dieses Mahl am Abend vor seiner Kreuzigung begangen. Um einen neuen, klareren und vielleicht auch geselligeren Zugang zum Abendmahlsgeschehen zu gewinnen, treffen sich Schuleltern des Mariengymnasiums an einem Abend in der Karwoche und spüren dem ritualisierten Mahlsgeschehen, in vereinfachter Form, nach.

Das Sedermahl feiern jüdische Familien am Abend vor dem letzten Tag vor Pesach, um sich auf die Vorbereitungen für das Fest einzustimmen. Dabei folgt die Zeremonie einer traditionellen Abfolge aus Texten und Liedern, während ab dem Beginn des Sabbats keine Arbeit mehr erlaubt ist. Auch Jesus hat dieses Mahl begangen. Neben u.a. ungesäuerten Brotfladen, den Mazzen, spielen Bitterkräuter (bei uns Petersilie und Feldsalat) und insbesondere ein Lammbraten eine wichtige Rolle. Ein Fruchtmus (genannt Charoseth, wir nahmen Hummus) und ein dekorativer, ausgelöster Lammknochen mussten ebenfalls besorgt werden. Bei der Planung zu beachten: Es orientiert sich am jüdischen Ritus, macht uns dabei aber nicht zu Jüdi:innen. Der Respekt gegenüber unseren älteren Geschwistern im Glauben steht im Mittelpunkt, ohne dass wir alle Ritualvorschriften minutiös beachten müssen. Notfalls ist Improvisation und Kreativität gefordert.

Bibelteilen für Eltern

Miteinander ins Gespräch kommen, gesellig sich mitteilen und einen netten Abend verbringen einerseits und sich mit biblischen Texten beschäftigen, beten und erspüren, was Gott mir vielleicht gerade jetzt sagen möchte... klingt nach einem Gegensatz, muss es aber nicht sein! Zunächst gibt es angeleitet vom Schulseelsorger oder jemandem, der es übernehmen will, eine gute Dreiviertelstunde Bibelteilen nach der 7-Schritte-Methode afrikanischer Basisgemeinden. Und danach der Ortswechsel zu einem Feierabendgetränk, wo der Austausch über das Leben direkt weiter geht.

Bibelteilen für Eltern - 7 Schritte

1. Einladen: Wir machen uns bewusst, dass Gott bei uns ist, insbesondere, wenn wir etwas in seinem Namen tun (Kreuzzeichen, Gebet).

2. Lesen: Der zuvor ausgewählte biblische Text (kurze Perikope, maximal 10 Verse würden wir empfehlen) wird reihum Satz für Satz gelesen. Bei kurzen Texten auch mehrmals.

3. Verweilen: Beim stillen Lesen sprechen alle die Stellen (Worte oder Satzteile) laut aus, die auffallen, bei denen die/der Leser:in stockt oder die besonders gefallen.

4. Schweigen: Wir lassen das Genannte und Gelesene in uns nachklingen.

5. Teilen: Alle sind eingeladen, eigene Gedanken zu dem Nachgeklungenen mitzuteilen und auch die Gedanken zu den selbst genannten Worten ggf. zu erklären.

6. Handeln: Was möchte Gott, dass wir tun sollen? Wo kommen wir (ich) in diesem Text vor? Was nehme ich aus dem Geteilten und dem Austausch für mich und mein Leben mit?

7. Beten: Alle, die möchten, können etwas dazu beitragen, einen Gedanken bewusst vor Gott tragen oder auch Fürbitte halten. Es geht nicht um wohlfeile Formulierung, sondern Bezug zum realen Leben und Alltag! Es geht nicht um Theologie und Exegese, sondern um die Menschen, die versammelt sind!

Der Autor

Gregor Lauenburger ist Schulseelsorger am Mariengymnasium in Essen-Werden, ausgebildeter Gemeindereferent, Mitglied der AG Berufungspastoral im Bistum Essen und Autor verschiedener Bücher wie „Alles Currywurst – oder was?“ und “Katholisch gewusst wie!”

Christliche Fastenzeit und Ramadan in der Schule gemeinsam gestalten (Schulzentrum Am Stoppenberg in Essen)

Der Hintergrund

In diesem Jahr gibt es eine Überschneidung der Fastenzeit von Christ:innen und Muslim:innen. Die gemeinsame Zeit geht vom 19. Februar bis zum 19. März. Vom 20. – 23. März ist Fest des Fastenbrechens (Eid al-Fitr). Die christliche Fastenzeit dauert 14 Tage länger und geht bis Karsamstag (4. April 2026). Am Schulzentrum Am Stoppenberg in Essen haben sich der Schulseelsorger und eine muslimische Lehrkraft dazu aufgemacht, diese für die Menschen beider Religionen geprägte Zeit mit Projekten zu begleiten - ganz im Sinne des Grundsatzes unserer katholischen Schulen “als Glaubende verbunden sein”.

Aschermittwochsgottesdienst mit interreligiösem Element

An der Schule findet traditionell ein Aschermittwochsgottesdienst statt. Er ist in seiner liturgischen Gestalt klar geprägt und die 40-Tage-Zeit (Jesus und die Verführungen des Teufels in der Wüste), das Aschezeichen und der Altar verweisen auf das Fasten. Im letzten Teil des Gottesdienstes bietet es sich an, auf die gemeinsame Fastenzeit hinzuweisen.

Christliche und muslimische Schüler:innen entwickeln im Religionsunterricht gemeinsam einen kurzen Film zur Fastenzeit. Dabei setzen sie sich mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden von christlichem Fasten und Ramadan auseinander. Im Mittelpunkt stehen eigene Erfahrungen und persönliche Sichtweisen. Der Film entsteht als Work in Progress – schon die gemeinsame Arbeit daran ist Teil des interreligiösen Miteinanders und des gegenseitigen Verständnisses.

Eine geprägte Mittagspause

Die ersten 20 Minuten der Mittagspause gibt es ein Gebetsangebot, in dem die muslimischen Schüler:innen ihr Fastengebet sprechen können. 

Danach gibt es freiwillig für alle Schüler:innen Programm:

  • Atem- und Entspannungsübungen
  • Yoga
  • Austauschforen zu zentralen Themen der Fastenzeit in Islam und Christentum

Die Austauschforen

Anhand ausgewählter Texte aus Bibel und Koran sprechen sie über Fasten, Gerechtigkeit, Geschlechterfragen und den Umgang mit anderen Religionen. Die Auseinandersetzung mit Bibel und Koran will mit Mythen über beide Religionen aufräumen. Dabei werden keine Antworten gegeben, sondern Fragen gestellt:

  • Wurde Eva wirklich aus der Rippe eines Mannes geschnitten?
  • Warum spricht die Bibel im ersten Schöpfungsbericht nicht von Mann und Frau, sondern von männlich und weiblich?
  • Wieso nennt der Koran immer Frau und Mann gemeinsam, wenn es um die Gleichheit der Geschlechter geht?

Die Autor:innen

Büşra Sarı ist Lehrerin für Sozialwissenschaften/Politik und Französisch. Sie ist die erste muslimische Lehrkraft am Gymnasium Am Stoppenberg.

Sie nimmt an der Fortbildungsreihe des Bistums Essen zur Entwicklung einer interreligiösen und interkulturellen Schulkultur teil und engagiert sich an ihrer Schule für eine interkulturelle Schulpastoral. Unter anderem gestaltete sie den christlichen Kollegiumsgottesdienst mit und bereitete gemeinsam mit Aria Patto, Lehrer an der Sekundarschule Am Stoppenberg, und Marc-Bernhard Gleißner den ersten muslimischen Gottesdienst an Lailat al Miraj am Schulzentrum vor, der am 16. Januar 2026 mit muslimischen und christlichen Schüler:innen sowie muslimischen Eltern gefeiert wurde.

Marc-Bernhard Gleißner ist Schulseelsorger am Schulzentrum Stoppenberg.

Er hat Erfahrung in der Arbeit mit vulnerablen Gruppen, unter anderem in der Seelsorge für gehörlose Menschen, queere Personen und Geflüchtete. Als Regisseur verbindet er kulturelle Arbeit mit sozialem Engagement. Für ihn haben Kulturarbeit und Schulseelsorge das gemeinsame Ziel, Gemeinschaft zu fördern und Räume für Solidarität, Begegnung und gegenseitige Unterstützung zu schaffen.